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Die “Lokale-Suche-Anwendung” Townster gibt auf

geschrieben am 19. November 2007 von Olaf Kerner

Am 15.11.2007 hatten wir hier im Blog die Frage nach der Zukunft des Web 2.0 gestellt und festgestellt, dass so manches webzwonullige Projekt möglicherweise über weniger Zuspruch der User verfügt, als die Medienpräsenz des Projektes vermuten lasen würde.

Zufällig einen Tag später, am 16.11.2007, verbreitete sich in den Blogs die Nachricht von der Aufgabe der local- search- Anwendung Townster.de. Diese Nachricht kam nicht unerwartet, weil ein paar Tage vorher die tiefen Zerwürfnisse innerhalb der 3 Townster- Geschäftsführer incl. des Rauswurfs eines Geschäftsführers im Townster- Blog öffentlich gemacht wurden: “Anlass des heute verabschiedeten Beschlusses [Anm: Rauswurf von Thomas Mindnich als GF] war die Tatsache, dass Mindnich den Weiterbetrieb der NETLABS GmbH wissentlich behindert hat, in dem er den für Freitag vergangene Woche festgelegten Abschluss der ersten Finanzierungsrunde aus nicht nachvollziehbar dargelegten Gründen abgelehnt hat.”

Im Internet werden die 3 Townster- Macher jetzt teilweise als Boygroup und BWL’er ohne Herzblut an der Sache mit Gier nach fremdem Geld dargestellt.

Unsere Meinung, und Zusammenfassung der Ereignisse:

Gleb Tritus (der übrigens mit seiner Agentur Affaires Media Ende 2006 Pressemitteilungen für Dynamicdrive in bester Qualität verfasst und verbreitet hatte) gründete mit 2 Kollegen die Netlabs GmbH und entwickelte das Projekt Townster.de als local search community. Personen sollten sich anhand Ihrer Interessen und Matching- Kriterien lokal im real life finden können. Ein geniales Konzept, wenn auch die Grundidee schon ein paar Jahre alt ist und bereits vor 2,5 jahren in den USA zum Patent angemeldet wurde.
Die 3 Gründer konnten das Kapital zum Start und zum Betrieb für die erste Zeit selber aufbringen.

In bester Web 2.0- Manier wurde ein Firmenblog eingerichtet, in dem umfassend und offen über alle Ideen und Belange von Townster informiert wurde. Bereitwillig und ohne Not wurde damit Firmenwissen an Wettbewerber verraten. Wir haben damals nur mit dem Kopf geschüttelt, weil wir in Ausbildung und Studium mal gelernt hatten, dass Interna über Produktentwicklungen in den Bereich “Verschußsache” gehören, und nicht an die Öffentlichkeit…

Später war dann eine Teilnahme an Townster auf Einladung möglich, und dann für alle. Das war zu einem Zeitpunkt, zu dem beispielsweise der Wettbewerber meinnachbar.net längst online war, und Seiten wie lokalisten.de sowieso.
Meinnachbar.net war einfach da, ohne jede Ankündigung vorher. Aus unserer Sicht der richtige Weg.

Im November 2007 krachte es bei Townster gewaltig, weil sich einer der 3 Geschäftsführer 2 Tage vor dem Notartermin geweigert hat, den lange vorbereiteten Vertrag mit Investoren zu unterzeichnen. Dieser auch aus unserer Sicht unverständliche Vorgang wurde emotionsgeladen mit voller Schuldzuweisung an den entlassenen Geschäftsführer im Townkings- Blog publiziert. Auch das war nach unserer Meinung ein grober Fehler: Wer arbeitet jetzt noch mit den verbliebenen Geschäftsführern zusammen, wenn er damit rechnen muss, dass vertragliche Interna öffentlich gemacht werden? Der rausgeworfene Geschäftsführer hat sich bisher nicht öffentlich geäußert.

Am 16. November 2007 gab die Netlabs- GmbH bekannt, dass Townster in der bisherigen Form nicht weiter fortgeführt wird.

Mir persönlich bleibt der Beigeschmack einer Dolchstoßlegende: Die Schuld am Scheitern wird auf den rausgeworfenen Geschäftsführer geschoben, obwohl dieser für die Technik zuständige Kollege sicherlich zu ersetzen gewesen wäre. Ein wenig mehr Durchhaltevermögen auch in schwierigen Zeiten hätte ich eigentlich erwartet.

Eine ausbreitung von Townster oder anderen deutschen local search Applicationen auf den internationalen Markt wird schwierig: Beispielsweise hat in den USA local.com bereits vor 2,5 Jahren die Idee des local search zum Patent angemeldet (dem Antrag wurde 2007 entsprochen). Auf den deutschen Markt hat dieses Patent keinen Einfluss.

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