geschrieben am 05. März 2010 von Olaf Kerner
Dynamicdrive verdient sein Geld zum großen Teil als “Affiliate”. Also als Vertriebspartner nahmhafter Merchants (Anbieter von Waren und Dienstleistungen). Im Internet bin ich an verschiedenen Stellen über die Charakterisierung der verschiedenen Affiliate- Typen gestolpert. Hier ist mein Versuch einer Kategorisierung:
1. Der nebenberufliche Affiliate
Dieser Typ Affiliate ist oft Student. Er betreibt wenige Internetprojekte. Kennzeichen für den nebenberuflichen Affiliate ist, daß seine Internetprojekte oft gewachsene Hobbyprojekte sind, und daß er keinen Cent für den Einkauf von Besuchern für seine Seiten ausgibt. Stattdessen tauscht er Footer- Links in Linktausch- Netzwerken, und betreibt Foren/ Blog- Spam.
Die Mehrzahl der vom Affiliate in fremden Foren und Blogs gesetzten Links hat keine hohe Lebensdauer. Das stört den nebenberuflichen Affiliate aber nicht: Mehr als bei einem der typischen Studenten- Jobs verdient er trotzdem noch locker. Im Studenten- Wohnheim ist er bei den Mädels dank seines Geldes der King. Jedenfalls so lange, bis Google mal wieder ein Linktausch- Netz entwertet, und die Seite des Affiliates nahezu besucherfrei wird…
2. Der Poker- Affiliate
Dieser Typ Affiliate hat seine deutschsprachigen Projekte unter polnischen Domainnamen abgelegt, und tritt unter einem Firmenname von Antigua oder den Cayman- Inseln auf, weil seine Tätigkeit in Deutschland illegal ist. Am Anfang ist das Geld verdienen schwer. Wegen der im Poker- Affiliate- Business üblichen lifetime- Provisionen sprudeln die Dollars mit der Zeit aber immer zahlreicher. Sein Geld hebt der Poker- Affiliate gern mit einer ausländischen Kreditkarte an Geldautomaten außerhalb der EU ab. So dauert es etwas länger, bis das Finanzamt von seinen Einnahmen erfährt, und ihm den Steuerbescheid schickt.
3. Der Affiliate- Treffen- Affiliate
Auf jedem Foto von Affiliate- Treffs, Webmontagen und Barcamps lacht der “Affiliate- Treffen- Affiliate” in die Linse der Kamera. Er strahlt Kompetenz aus, und betreibt einen Blog, in dem er Tipps zum Affiliate- Marketing gibt. Schaut man hinter die Kulissen des “Affiliate Treffen- Affiliates”, schaut es manchmal düster aus: Seine Firma macht oft keinen Gewinn, und manchmal lebt dieser Affiliate- Typ von HartzIV. Wegen seiner Reputation in der Szene wird dieser Typ Affiliate sehr bald von einer Agentur als “Key Account Manager” angestellt. Jedenfalls solange bis er zur nächsten Agentur wechselt…
4. Der “auf die Dauer hilft nur Power”- Affiliate
Dieser Affiliate möchte zu den 20% der Affiliates, welche 80% der Umsätze generieren, gehören, und unternimmt dafür einiges. Als SEO- Affiliate kauft er solange Links auf Städtedomains, im D*** oder bei bekannten Online- Magazinen, bis seine Internetseite von Google als genauso wichtig wie Wikipedia klassifiziert wird. Als SEA verballert er monatlich zehntausende Euro bei Adwords und hofft, daß die generierten Provisionen höher als seine Ausgaben sind.
Wer aber hoch hinaus will, fällt manchmal tief: Sobald Google beim SEO- Affiliate bemerkt, daß seine Seite kredit-onlinekredit-ratenkredit.li besser rankt als Spiegel Online, fliegt sie aus dem Index. Falls der SEA- Affiliate mehrere Monate in Folge mehr an Adwords zahlt, als er Provisionen einnimmt, wird die überschuldete alte Firma dichtgemacht, und einfach eine neue eröffnet…
5. Der Postview- Affiliate
Diejenigen dieser Affiliates, welche den Anschein der Seriösität waren möchten, binden so viele und so kleine Postview- Banner wie möglich z.B. im Header und Footer von Foren ein, und setzen so halb Deutschland Cookies auf die PC- Festplatte.
Die andere Hälfte der deutschen Internetsurfer bekommen ihre Postview- Cookies von den im Graubereich oder illegal arbeitenden Postview- Affiliates: Dort werden auf P****- Seiten gern 400 Banner mit 1×1 Pixeln Größe eingebunden.
Im Ergebnis erhält der Affiliate vom Merchant eine Provision, nur weil der Käufer vor dem direkten Ansurfen des Onlineshops bei einem Freemailer seine Emails gelesen hat, und dieser im Footer Postview- Banner gezeigt hat.
6. Der “ein Projekt”- Affiliate
Seine einzige Internetseite entstand aus einem Hobby des Affiliates heraus. Irgendwann hat er gelernt, daß sich Seitenbesucher in Geld umwandeln lassen, und so viele Banner und Bestell- Links darauf gepappt, daß der eigentliche Inhalt kaum noch erkennbar ist.
Abhängig vom Thema der Seite verläuft die weitere Entwicklung dieses Affiliates: Falls sein Hobby und Seitenthema “Datensicherung” ist, kassiert der Affiliate mehrere € pro Klick auf die Adsense- Anzeigen, so daß das Projekt irgendwann für eine hauptberufliche Tätigkeit reicht. Beim Thema “Das Fortpflanzungsverhalten der Grashalm- Blitzlichter” fällt das Geld verdienen wegen geringer Besucherzahl schwerer. Auch dann, wenn er alle Bekannten zum Klick auf die Anzeigen ermutigt. Seine angeeigneten Kenntnisse reichen für den “ein Projekt- Affiliate” aber allemal noch für einen Job in einer Agentur, wo er dann Affiliate- Partnerprogramme betreut.
7. Der Durchschnitts- Affiliate
Dieser am weitesten verbreitete Affiliate- Typ arbeitet oft von zu hause aus und alleine. Er veröffentlicht bienenfleißig ein Pseudo- Projekt nach dem anderen. Webdesign und Programmier- Dienstleistungen kauft er mittlerweile, sofern er das nicht selber erledigen kann, in Indien oder bei MyHammer ein.
Der Durchschnitts- Affiliate wacht früh zufrieden auf und betet, daß alles noch ein paar Jahre so weiterläuft wie bisher. Denn trotz harter Arbeit hat er keinen dämlichen Chef über sich, und kann sich die Zeit frei einteilen. Und mehr Geld als ein Busfahrer oder Lehrer hat er fast jeden Monat auf dem Konto.
Damit er seine Urlaubsreisen von der Steuer absetzen kann, läßt er sich in Indien für insgesamt 1000€ 3 Pseudo- Urlaubs- Portale basteln. Wenn er dann mit der Freundin 3 Wochen Aktiv- Urlaub auf Gran Canaria macht und einen Monat später noch mal Tauchurlaub in Indonesien, spricht er von “beruflich veranlaßter Hotel- Test” und drückt alle Urlaubs- Kosten dem Finanzamt aufs Auge…
8. Der “weg von HartzIV”- Affiliate
Aus langer Weile und frustriert von vielen erfolglosen Bewerbungen surft er stundenlang im Internet. Irgendwann liest er, daß man mit Internetseiten Geld verdienen kann. Weil er genug Zeit hat, stellt er testweise eine Internetseite mit Berichten aller seiner bisherigen Reisen und Urlaube ins Netz, incl. hochwertigen Texten, Fotos und jeder Menge Affiliate/ Adsense- Links. Und plötzlich verdient er damit mehr als die Dazuverdienstgrenze vom HartzIV. Der “weg von Hartz IV”- Affiliate trommelt umgehend alle arbeitslosen Familienmitglieder zusammen, und verteilt die Aufgaben professionell. Das fällt ihm leicht, weil es in seiner Spätaussiedler- Familie hoch qualifizierte arbeitslose Leute gibt: Die Lehrerin schreibt in Zukunft die Texte, und der Informatiker bastelt die Internetseiten usw.
Irgendwann trifft der “weg von HartzIV”- Affiliate beim Arbeitslosenamt den Personaler wieder, der damals seine Bewerbung abgelehnt hat. Aber diesmal geht der Affiliate zum Amt, welches nach dem vorbestraften ehemaligen VW- Angehöringen benannt ist, weil er sich von HartzIV abmelden möchte. Und der Personaler geht dorthin, weil er gefeuert wurde, und Leistungen beantragen muß…
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1.
Philipp | 05.März 2010 um 16:02Uhr
Klasse Beitrag, genau passend zum Wochenende. Besonders “Der Affiliate- Treffen- Affiliate” sorgt für Erheiterung
2.
Hans | 05.März 2010 um 16:52Uhr
Und was ist Dynamicdrive?
3.
Olaf Kerner | 05.März 2010 um 16:55Uhr
Ich würde sagen, “auf die Dauer hilft nur Power”- Affiliate Typ 4 (Untertyp SEA, Adwords- Anzeigen).
.
Bis jetzt haben wir im Durchschnitt zum Glück immer mehr Provision erhalten, als wir an Adwords und YSM zahlen
4.
David | 05.März 2010 um 20:11Uhr
Sehr gut geschrieben
Aber gibs zu, mit Affiliate-Typ #2 hast Du mehr als Kreditkarten gemeinsam
5.
crsystem | 06.März 2010 um 11:32Uhr
Genialer Beitrag, wobei ich beim Studenten-Affliate schon ein wenig schmunzeln musste. Naja, aber es ist größtenteils die Wahrheit die hier geschrieben steht.
6.
Tjark | 06.März 2010 um 11:33Uhr
Ja, schöner Beitrag.
Aber ich glaube schon, dass es Affiliates gibt, die ordentliche, sinnvolle und nachhaltige Projekte haben und damit gutes Geld verdienen. Die Gruppe mag zwar klein sein, aber es gibt sie und der Vollständigkeit halber sollte sie hier erwähnt werden.
7.
Olaf Kerner | 06.März 2010 um 12:51Uhr
@David:
> Aber gibs zu, mit Affiliate-Typ #2 hast Du mehr als Kreditkarten gemeinsam
Ich habe keine einzige .pl- Domain.
@Tjark:
> Aber ich glaube schon, dass es Affiliates gibt, die ordentliche, sinnvolle und nachhaltige Projekte haben
Es rechnet sich derzeit mehr, hirnlose sinnfreie Projekte zu haben: Je geistloser der Content ist, umso höher ist die Klickrate auf Adsense, und umso mehr wird verdient… Ich denke, daß 95% aller Affiliate- Projekte überfüssig sind…
8.
Stefan | 06.März 2010 um 15:37Uhr
super Artikel,
).
musste grinsen als ich bei 8. angekommen bin, so war es bei mir vor fast 5 Jahren. Nun bin ich seit 3 Semestern wohl eher der Typ 1. Das “Affiliate-Geschäft” nutze ich aber nur als 2. Standbein (als Ex-Hartzer auch als “Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts” genannt
9.
Florian | 06.März 2010 um 19:18Uhr
Super Artikel und im groben stimmt das tatsächlich alles so. Hab grade mal selbst überlegt welcher Typ ich bin …
10.
udo | 07.März 2010 um 01:48Uhr
Olaf aus Dresden – hat im grossen Gegensatz zu so einem bestimmten Stasi-Like-freie-Meinungs-Beschneidungs-Apostel und
“”Internet-Unternehmer – laut eigener Aissage” – urspruenglich aus einem kleinen Kuhdorf und der Weltgegend der roehrenden
Hirsche im Oberharz – einen grossartigen Humor und das Herz auf dem richtigen Fleck.
Absolut orginell wie Olaf aus seiner Sicht die Affiliate-Szene beschrieben hat.
In welcher Kategorie und unter WO von Eins bis …? – wird eigentlich der andere besagte Internet- Szene-Herr eingeordnet ?
11.
Frank | 06.August 2011 um 16:20Uhr
Haha, schöne Auflistung! Irgendwie bin ich jetzt hier gelandet und muss auch noch meinen Senf dazu abgeben. Da gibts nämlich auch noch den “Ich-hab-keine-Ahnung-von-nix-will-aber-auch-im-Internet-Geld-verdienen-Affiliate. Diese Spezies zeichnet sich dadurch aus, dass sie recht erfolgreiche Affiliates anbettelt ihnen eine tolle Seite zu gestalten und dann halbe halbe zu machen, wenn der Rubel rollt. Im Endeffekt bleibt die Arbeit allerdings am Super-Affiliate hängen und der Möchtegern krault sich die Ohren.